Wea an bayerische Volksmusik denkt, dea hod meistens ein bestimmtes Bild im Kopf:

Wea an bayerische Volksmusik denkt, dea hod meistens ein bestimmtes Bild im Kopf:

a gmiatliche Wirtshausstubn, a gesellige Runde und fast unweigerlich den unverwechselbaren, warmen Klang eines Akkordeons.

Erst am Samstag hat der Alex im Gasthaus Isarthor beim Ansitzen wieder kräftig mit seinen Jungs aufgespuit. Und während mei Kopf am Sonndog, nach einem gepflegten Wiesnbierausch langsam die Restintelligenz sortiert hod, blieb ma diese oane, faszinierende Frage hängen:

Wann genau hat das AKKORDEON eigentlich das WIRTSHAUS erobert?

Obwoi das Instrument heid so tief in unseren Breitengraden verwurzelt is, liegt sei Wiege gar ned zwischen München und den Alpen. Die technischen Wurzeln, also seine gloana Metallzungen, die im Luftstrom schwingen und einen schönen Ton erzeugen, reichen weit zurück und waren schon bei den asiatischen Mundorgeln bekannt. Im frühen 19. Jahrhundert experimentierten europäische Instrumentenbauer, intensiv mit diesem Prinzip, 
bis dann da Wiener Cyrill Demian im Jahr 1829 schließlich das Patent für sein Accordion ogmoid hod.

Dass dieser entscheidende Schritt in Wien stattfand, war ein großes Glück fia de bayrische Musiklandschaft. Österreich, Böhmen und der bayrische Raum bildeten schon damois a eng verbundene musikalische Einheit. Durch Handelsreisen, wandernde Musikanten und den ständigen kulturellen Austausch überwand des neie Instrument die Grenzen im Flug und fand in Bayern a perfekt vorbereitetes Nest. Und als das Akkordeon im Laufe des 19. Jahrhunderts in den Stuben ankam, traf es keineswegs auf a musikalische Leerstelle. 

Geigen, Klarinetten und Zithern prägten längst des Geschehen, doch das neie Handzuginstrument brachte a gloane Revolution mit sich. Es erwies sich als de perfekte Ein-Mann-Band, weil während de rechte Hand die Melodie führt, übernimmt de linke Hand den Bass und die Begleitung, wodurch a einzelner Spieler oan erstaunlich vollständigen und weichen Klang erzeugt hod. Über den Balg lässt sich de Musik zudem unglaublich dynamisch gestalten, was ideal fia traditionelle Tänze wie Ländler, Polka oder den Zwiefachen war. Zudem war es a no laut gnua, um sich gegen das Stimmengewirr in einer vollen Stubn durchzumsetzn, und gleichzeitig so kompakt, dass man es überallhin mitnehmen konnte.

Und München spielte bei dieser Entwicklung a ganz a b‘sondere Rolle. Als Herzstück Bayerns war die Stadt der perfekte Schmelztiegel, in dem die ländlichen Klänge des Umlands auf a lebendige, urbane Wirtshaus- und Unterhaltungskultur trafen. Hier wurd ned nua konsumiert, sondern gemeinsam g‘sungen, g‘lacht und musiziert. Wie tief diese Kultur in der Stadt verwurzelte, zoagt a da Blick in de Vereinsg‘schicht. 1927, in München-Neuhausen [da kemman mia a her] gründetes sich ein Akkordeon-Club.
Dea war a bessa bekannt als der Handharmonika Club Neuhausen, dessen frühe Konzerte ganz selbstverständlich in den lokalen Wirtshäusern stattfanden.
A Fundament, aus dem sich über die Jahrzehnte da Münchner Volksmusikverein und schließlich des heitige Akkordeonorchester München heraus entwickelte.

Im 20. Jahrhundert hom dann da Rundfunk, d’Schallplatten und da aufkommende Tourismus des Bild gfestigt, welches mia heid a so guad kennen. Das Akkordeon is zum Klang vom Alpenraum worn, ganz egal, ob’s in einer kleinen, traditionellen Wirtshausrunde nach Gfui gspuit wird oder im Rampenlicht auf der großen, volkstümlichen Bühne steht.

Am Ende zoagt die Geschichte von diesem Instrument, dass wahre Tradition nix Starres is. Tradition entsteht erst dann, wenn a Kultur was Neues aufnimmt, es formt und so tief in ihr Herz packt, bis es a Teil von der eigenen Seele werd. Bayern hod des Akkordeon vielleicht ned erfunden, aba es hod eahm sei musikalische Heimat g’schenkt.

Ja und dann?
Dann reichen an am Samsdog, beim weißblauen Himmel und perfekte Bedingungen, scho wenige Takte aus, um uns sofort in dieses unbeschwerte Gfui von Heimat, Geselligkeit und Lebensgfui zu katapultieren.

In diesem Sinne:
a großes DANKE und a herzliches VERGELTS GOTT an alle Musikanten, de uns so tief in ihre musikalische Seele blicken lassn!

Bussi
de, N.

 

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