Wenn man sich mit oidn Wirtshäusern beschäftigt, landet man fast automatisch bei ihren Namen.

Wenn man sich mit oidn Wirtshäusern beschäftigt, landet man fast automatisch bei ihren Namen.

Im ersten im WIRTSHAUS Blog ging’s drum, warum es das WIRTHAUS überhaupt gibt und welche Bedeutung dieses KULTURGUT fia uns in Bayern hod. Wenn mia aba genauer hischaun, dann erzählen nicht nur de Stuben, Stammtische und Wirtsleit ihre G‘schichtn. De eigentliche Historie beginnt schon draußen, direkt über der Tür.
Auf dem Schild.
Beim Namen.

A jeda kennts:
GASTHAUS zur POST, des is a WIRTHAUS Name, den ma in Bayern fast überall findet. In den Dörfern, den Marktgemeinden und in den Städten. Man fährt oda geht dran vorbei, liest den Namen auf alten, teilweise denkmalgeschützten Fassaden oda hockt se a amoi nei, ohne groß drüber nachzumdenken.

Gasthaus zur POST.
Des klingt heid fast selbstverständlich, beinahe gewöhnlich. Dabei steckt dahinter eine sehr konkrete G‘schicht, die vui d‘rüber erzoid, wia Menschen friana g‘reist san, wia Nachrichten unterwegs waren und warum ausgerechnet de WIRTSHÄUSER so oft mitten in diesem Leben standen.

Um den Namen zu verstehen, muss ma in a Zeit z‘rückgehn, in der Reisen no langsam, unbequem und sau anstrengend waren. Wer damals von einem Ort zum anderen wollt, war freilich nicht in ein paar Stunden da. Händler, Boten, Beamte, Handwerker oder Reisende waren oft tagelang unterwegs. Straßen waren ned imma gut ausbaut, Entfernungen wurden anders empfunden und eine Reise brauchte Planung, Geduld und vor allem ausreichend Stationen, 
an denen Mensch und Tier versorgt werden konnten. Und genau do kamen de oidn POSTstationen ins Spiel.

Entlang wichtiger Handels- und Verkehrswege hielten POSTkutschen an festgelegten Orten. Dort wurden Briefe weitergebm, Reisende stiegen ein oder aus, Nachrichten wurden überbracht und die Pferde gewechselt. Denn auch die stärksten Pferde konnten nicht endlos eine Route weiterlaufen.
Sie brauchten Wasser, Futter und a ihre Ruhe. Mei und de Reisenden brauchten oft amoi dasselbe, nur hoid in a anderer Form. A warme Mahlzeit, a Platzerl zum Schlafen, ein Dach über‘m Kopf und manchmal einfach jemanden,
der wusst, was draußen auf da Straß so los war. Und während draußen de Pferde versorgt worn san, saßen drinnen Reisende, Kutscher und Händler beinand, aßen bei Kerzenlicht und berichteten von Ihren Reisen.

Deshalb lagen viele POSTstationen nicht irgendwo allein in da Landschaft, sondern waren eng mit den Herbergen und Gasthäusern verbunden. Das WIRTSHAUS war der Ort, an dem man warten konnte, bis die nächste Kutsche kam. Was heute über Handy, Zeitung oder Internet kommt, kam damals über Menschen ins Haus. A WIRTSHAUS an einer POSTstation war damit ned nua a Rastplatz, sondern de Nachrichtenbörse, da Treffpunkt und de Verbindung zur Welt draußen.

Der Name zur POST war oiso ursprünglich koa hübsche Idee fia a Schuidl und a koa romantische Bezeichnung. Er beschrieb die Funktion des Hauses. Wer unterwegs war und ein Gasthaus zur Post sah, wusste ziemlich genau, was ihn dort erwartete. Hier hielt die Post. Hier konnte man warten und bekam vielleicht de Nachricht, auf die man scho lang g‘wartet hod. Für ein Ort konnt so a POSTstation durchaus a Bedeutung haben. Denn wo die POST hielt, kamen Menschen vorbei. Und wo Menschen vorbeikamen, kamen Neuigkeiten, Handel und Lebm glei mit.

Und irgendwann:
de Straßen wurden besser, die Eisenbahn kam, spada dann das Automobil.
De POSTkutsche verschwand nach und nach von den Straßen und aus dem Alltag. Viele ehemalige POSTstationen verloren ihre ursprüngliche Aufgabe.
Aber die WIRTS[Häuser] blieben. Und mit eahna blieben a de Namen.

Genau deshalb gibt es bis heid so vui WIRTSHÄUSER, Hotels und Gasthäuser, die zur POST heißen, obwohl dort scho lang koane Pferdeln mehra gewechselt wern und koa Kutsche mehra vor der Tür hoid. Der Name ist bliebm, wia a Stück Erinnerung an das, was dieses Haus amoi war.

Und an dem Punkt wurd de Sach größer als nur die Frage nach der POST. Denn wenn ma die Augen offen hält, wenn ma so durchs bayrische Land strawanzt, wird man feststellen, dass viele alte WIRTSHAUSnamen no so funktionieren. Sie san ned einfach aus‘dacht worn, weil jemand an scheena Klang gesucht hod. Sie hatten ihren Grund. Manche beschrieben eine Funktion, manche ein Hauszeichen, manche die Lage, manche den Handel, der dort stattfand, und manche später die Menschen, die das Haus führten. Also lesen mia a heid

…zum Hirschen,
…zum Ochsen,
…zum Adler,
…zur Krone oder a zum Goldenen Stern
oft einfach als traditionelle Namen.
All diese Namen waren a Orientierung und de heutige Art von Adresse.

Wenn ma se vorstellt, dass üba viele Jahrhunderte nicht jeder lesen konnt und Hausnummern, wia mia se heid kennan, nicht selbstverständlich waren, war a Schuidl mit’am Tier, a Krone oda an Stern deutlich leichter zu erkennen als a g‘schriebener Name.

Beim zum Hirschen liegt der Ursprung häufig näher an der Lebenswelt der Menschen selbst. Über Jahrhunderte prägten Wälder, Jagd und Forstwirtschaft große Teile Bayerns.
Die Jagd gehört bis heid zur bayerischen Lebensart dazua.
Da HIRSCH gilt als eines der edelsten Tiere des Waldes und fand sich ned nua auf WIRTSHAUSschildern, sondern a auf zahlreichen Wappen wieder. Viele Häuser in der Nähe von Jagdgebieten oder wichtigen Forstwegen trugen deshalb seinen Namen. Was heute wie ein traditionsreicher WIRTSHAUSname klingt, war ursprünglich oft ein Hinweis auf die Landschaft, die das Leben rund um das Haus bestimmte. Heid is das Wirthaus am Hirschgarten a guads Beispiel dazu.

Aus dem Zeichen wurde mit der Zeit der Name,
und aus dem Namen wurde irgendwann bis heute gelebte Tradition.

Beim zum Ochsen, zum Beispui, kummt häufig noch a sehr praktischer Hintergrund dazua. In vielen Orten spielte Viehhandel eine große Rolle. Bauern, Händler und Treiber brachten Tiere zu Märkten, machten Rast, handelten, aßen, tranken und übernachteten. Ein WIRTSHAUS konnt mitten in diesem Geschehen liegen oda mit Stallungen, Versorgung und Marktleben verbunden sei. Da Ochs war dann ned einfach Dekoration, sondern Teil der Lebenswelt rund um das Haus.

Und ähnlich hom Namen wia zur Krone, zum Stern oda zu den Drei Rosen auf Zeichen,  wia Besitzverhältnisse, Ansehen, Glaubensbilder oder alte Hausmarken verweisen. Ned a jeda Name lässt sich heid eindeutig erklären, aber fast immer steckt mehr dahinter als nur ein hübsches Wort.

Als die Entwicklung weiter im Lebm der Menschen Einzug hielt und je moderner de Orte, je mehr Menschen lesen konnten, je klarer Straßen, Hausnummern und Verwaltungen wurden,
desto weniger musst a WIRTSHAUS üba a Zeichen erklärt wern.
Und hier kam a der große Wandel, den gleichzeitig rückten
de Menschen hinter dem Haus stärker in den Mittelpunkt.
Aus da oidn POSTstation wurde im Alltag vielleicht einfach da Huber.
Aus dem Gasthaus mit dem traditionellen Namen wurd da Ort,
an dem da Obermaier ausgeschenkt hod,
da Bachmeier kochte oder da Neuwirt de Tür morgens aufgsperrt hod.
Man ging nimma nua zur POST oder zum HIRSCHN.
Man ging zum WIRT.

Und so war’s in meinem Wirtshaus – er trug den Namen der Wirtsleid
Gasthaus zum Happberger.

Und des sagt eigentlich sau vui üba das WIRTSHAUS aus.
Am Anfang zoagt da Name, welche Funktion a Haus hatte.
Dort hielt die Post.
Do war die Jagdgemeinschaft beinand.
Dort wurde Vieh gehandelt.

Und vielleicht hängt genau deshalb heid no auf manchem oidn Wirtshaus des gleiche Schild, an dem vor Jahrhunderten schon Reisende vorbeiganga san.

Aber auf Dauer blieb ein WIRTSHAUS nicht wegen seines Schildes lebendig, sondern wegen der Menschen dahinter. Wegen der Wirtsleid, wegen der Familien, wegen der Gäste und wegen der Geschichten, die sich über Jahre und Generationen dort g‘sammelt ham.
Des ist fia mi a der Grund, warum manche alten Namen bis heid überleben, 
auch wenn ihre ursprüngliche Funktion längst verschwunden is.

Ein Gasthaus zur Post is ned nua a Gasthaus mit'm oidn Namen.
Es erinnert an eine frühere Zeit, es ist a Rest G‘schichte auf oidn Mauern. 
Manchmal guad sichtbar.
Manchmal schon zerfoin und scho fast vergessen.
Aber immer noch da.
Standhaft.

Wenn i meine Fiaß auf oide WIRTSHÄUSER Böden setzt, schaust i scho genau hi und denk ma „Zefix, wer da scho ois drüberglaffn sei mogund dann gehen meine Augen entland an Wände voller Buildn, Geweihe oder oide Lampn und in dem Moment, da tauch i ei in de G’schicht des Hauses und zum Urspurng warum es oamoi so wichtig war.

Geht’s da a so?

Und so wia i vor mi hin sinnier, hear i's:
"Ja a jeds Aug zählt. Da muasst fei ganz genau hischaugn.
Hundsgrippl verreckter."

Bussi
de, N.

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