Manchmal frog i mi, warum Gespräche im Biergarten anders san.

Manchmal frog i mi, warum Gespräche im Biergarten anders san.

Ehrlicher. Offener. Irgendwie a weng näher.
Woasst wos i moan?

Oiso i hob a Theorie:
vielleicht liegt’s daran, dass ma unterm freien Himmel sitzt.
Koa Decke überm Kopf, koa Tür, die ma zumacht.
Nur Luft, Licht und des scheene Gfui, dass hier nix versteckt werden muss.
Im Biergarten sitzn ma ned in Rollen.
Ma sitzt nebeneinander.
Auf da gleichen Bank.
Auf’m gleichn Hoiz.
Und des Hoiz unter’m Arsch, des is für alle gleich hart oder weich, egal, wer ma is oder wos ma im Lebm sonst so darstellt.
Fia mi nimmt des a ganze Menge Abstand raus. 

Und a jeda hod sei Platz im Biergarten.
Da gleiche Tisch.
Da gleiche Blick.
De gleiche Geräusche.
Und trotzdem san jedes moi a andere Menschen do.

Im Hirschgarten, am Zaun. Des is mei Platz.
Ned, weil er besonders is.
Sondern weil i dort besonders werd.
Im Frühling. Im Hochsommer. Im Herbst. Bei Regen. Im Winter.
Der is imma do.

Und genau des is vielleicht da Zauber, weil im Biergarten koana bleibn muass.
Man is hoid do.
Oder geht a wieda.

Fremde erzählen manchmal Sachen, die sie engen Freunden nie sagen würden, weil sie wissen, dass des hier, im Biergarten grod da Moment is. Vielleicht sieht ma si nimma, vielleicht sitzt ma bloß nebeneinander, trinkt a Maß, schaut in d’Sunn, und redt,
wia ma halt redt, wenn grad koana erwartet, dass ma perfekt is.

De Kastanien spenden Schatten,
da Wind is lau,
de Stimmen brabbeln,
de Krüge klirren.

Im Biergarten gibt’s unsere Rituale,
da gleiche Tisch,
de gleiche Zeit, de Glockn wenn da Hirsch ozapft is.

Und zwischen all dem Schönen is Platz.
Platz für Unsicherheit. Platz fia de leisen Sätze. Für a ehrliches
„i woass a grad ned.“

Und de Hoizbank auf der du hockst, kann zu Familie wern, ned nua weil ma sich kennt,
sondern weil ma si gemeinsam aushält, weil ma immer wieda do sitzt, a wenn ma im Winter kurz aufherd,
aber im Frühling genau do weida macht, wo ma des Jahr davor aufgheard hod.

Und do schließt sich mei Theorie:
Im Biergarten san mia manchmal verletzbarer ois woanders.
Weil ma hier nix verteidigen muass.
Weil ma si hier ned erklären muass.
Weil ma einfach do is, mit sei Riatual, mit den Fremden, de vielleicht zu Freind wern.

Und wenn dann d’Sunn durch die Blätter scheint,
wenn da erste Krug vor da Brust steht,
und wenn ma vielleicht a aloa do sitzt und trotzdem ned aloa is, dann legt sich des über oan.
Des Gfui, dass ma grad richtig is.

Vielleicht is des der Grund, warum da Biergarten a Dahoam is,
ned weil a privat is, sondern weil du do dei Seelenfrieden findst.

Mia seng uns.
Am Zaun.
Im Biergarten do hoid ma zam.
Im Biergarten do san mia dahoam.

Bussi,
de N.

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