Bevor mia in Bayern im Biergarten g'sessn san, san unsere Vorfahren im WIRTSHAUS g'sessn.

Bevor mia in Bayern im Biergarten g'sessn san, san unsere Vorfahren im WIRTSHAUS g'sessn.

Und zwar schon a ganze Zeit lang.
Lange bevor de ersten Kastanien über Münchner Bierkellern pflanzt worn san.
Lange bevor's des Oktoberfest gab.

Trotzdem denkt kaum jemand darüber nach, woher das WIRTSHAUS eigentlich kimmt. Dabei gehört es seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Orten Bayerns.

Wer heid an ein bayerisches Wirtshaus denkt, hod sofort a holzvertäfelte Stubn, Geweihe, Buidln, an Stammtisch, den Geruch vom Schweinsbratn oder einfach sei Feierabendhoibe, im Blick. Doch die Geschichte des Wirtshauses, die beginnt scho sehr lange bevor es Bayern in seiner heutigen Form überhaupt gab.

Sie beginnt auf den Straßen Europas.

Bereits de Römer unterhielten entlang ihres Handels und Heerstraßen, Raststationen und Herbergen. Händler, Soldaten und Boten waren oft wochenlang unterwegs und brauchten Orte, an denen sie essen, schlafen und ihre Tiere versorgen konnten. Durch das Gebiet des heutigen Bayerns führten a wichtige Handelswege. Entlang von denen Routen entstanden erste Einrichtungen für Reisende und legten damit den Grundstein für etwas, das viele Jahrhunderte später zum festen Bestandteil bayerischer Kultur worn is.

Mit dem Ende der Römerzeit verschwanden diese Wege jedoch nicht.
Im Gegenteil. Im Mittelalter, do nahm der Handel wieder zu. Händler transportierten ihre Waren über weite Strecken, Pilger machten sich auf den Weg zu religiösen Stätten, Handwerker suchten Arbeit in anderen Regionen und Boten überbrachten Nachrichten zwischen Städten und Herrschaftshäusern.

Wer damals reiste, war auf GASTFREUNDSCHAFT o‘gwiesn.

So entstanden entlang wichtige Handelswege, immer mehr Herbergen und Schankstätten. Orte, an denen Reisende Schutz fanden, etwas essen konnten und einen Platz für die Nacht bekamen. Und ganz genau aus diesen einfachen Herbergen entwickelte sich über die Jahrhunderte das heute bekannte WIRTSHAUS.

Damit ist das WIRTSHAUS deutlich älter als vieles, was mia heid als typisch bayerisch empfinden. Selbst der Biergarten, der heute das Sinnbild bayerischer Lebensart is, entstand erst Anfang des 19. Jahrhunderts. Das WIRTSHAUS hingegen begleitet Bayern bereits seit dem Mittelalter und in seinen eigentlichen Ursprüngen sogar noch deutlich länger.

Doch das WIRTSHAUS wurde schnell mehr als nur ein Ort zum Essen und Übernachten.

In einer Zeit ohne Zeitung, Radio oder des heid bekannte WWW war Information ein wertvolles Gut. Wer wissen wollte was außerhalb des eigenen Dorfes g‘schah, musste mit den Menschen sprechen. Und genau dafür wurde das WIRTSHAUS zu einem der wichtigsten Orte seiner Zeit.

Hier trafen Händler auf Bauern. Reisende auf Einheimische. Hier wurden Neuigkeiten erzählt, Geschäfte abgeschlossen und Kontakte geknüpft.

Wer wissen wollt, wia de Ernte im Nachbardorf ausgefallen war, welchene Preise auf den Märkten bezahlt wurden oder welche Nachrichten aus der nächsten, fernen Stadt okemma san, der fand die Antworten, freilich, am Wirtshaustisch.

Über viele Jahrhunderte oiso, war das WIRTSHAUS für unzählige Menschen die wichtigste Informationsquelle überhaupt. Mei, in gewisser Weise war das WIRTSHAUS das Internet des Mittelalters aber ned aus Technik baut, sondern aus BEGEGNUNGEN.

Und grad bei uns in Bayern entwickelte sich daraus etwas BESONDERES.

Während viele Regionen Europas von großen Städten und Handelszentren geprägt wurden, blieb Bayern über Jahrhunderte hinweg sehr stark ländlich. Das Dorf war der Lebensmittelpunkt. Und mitten in diesem Dorf stand das WIRTSHAUS.

Neben Kirche, Pfarrhaus und Schule gehörte es zu den wichtigsten Einrichtungen einer Gemeinde und war meistens in eahna Nähe, entlang der Hauptstraße angesiedelt. Hier wurden Hochzeiten gefeiert, da Gemeinderat tagte, de Vereine kamen zam, hier san  a Tragweite Entscheidungen troffn worn.

Viele Feuerwehren, Schützenvereine, Musikkapellen und andere Gemeinschaften san in den Wirtshäusern gegründet worn.
Man kann oiso sogn:

das WIRTSHAUS war kein Nebenschauplatz des Dorflebens,
es war das Dorfleben.

Und a München verdankt einen Teil seiner Geschichte dieser Wirtshauskultur.

Als die Stadt im Jahr 1158 erstmals urkundlich erwähnt wurde, war München vor allem eines: a Handelsplatz.

Menschen aus Italien, Tirol, Schwaben oder Salzburg kamen hier zusammen. Waren wechselten ihre Besitzer, Neuigkeiten machten die Runde und Reisende brauchten einen Ort zum Essen, Schlafen und Ausruhen. Wo Handel entstand, entstanden Begegnungen. Und wo Menschen zusammenkamen, brauchte es WIRTE.

Mit dem Wachstum der Stadt wuchs deshalb auch die Zahl ihrer Herbergen und Gasthäuser. Viele davon wurden über Generationen hinweg zu festen Treffpunkten der Münchner.

Manche Wirtshäuser erlebten Herzöge, Kurfürsten und Könige. 
Manche überstanden Kriege.
Und sehr viele san bis heid Teil des Münchner Stadtbilds. 
Wer woass vielleicht gibt‘s kaum eine andere Stadt in Bayern, in der ma bis heid so selbstverständlich ins WIRTSHAUS geht, wia bei uns in München.
Ned als Touristenattraktion, sondern einfach, weil's dazugehört. 
Und interessant dabei ist bereits da Name selbst.

Doch egal ob auf dem Dorf oder mitten in München, eines ist über all die Jahrhunderte gleich geblieben der WIRT.

Das Wort WIRT stammt vom althochdeutschen [wirto] und bedeutete ursprünglich GASTGEBER oder HAUSHERR.

Des is scho bemerkenswert.
Denn im Namen steckt weder Bier noch Essen drin.
Weil, nicht das Getränk stand im Mittelpunkt, nicht die Speisekarte, sondern der Mensch,
der seine Tür fia de Gäste öffnete: DER GASTGEBER!

Weil hinter jedem guadn WIRTSHAUS a Mensch steht.
A Mensch, der Gäste empfängt.
A Mensch, der Begegnungen ermöglicht.
A Mensch, der dem Haus seine Seele gibt.

Und des erklärt genau, warum das WIRTSHAUS bis heid so a besondere Rolle spielt.

Es war nia nua ein Ort zum Essen und Trinken. Es war ein Ort der Begegnung. Ein Ort zwischen Zuhause und Öffentlichkeit. Ein Ort, an dem Menschen unabhängig von Herkunft, Beruf oder Vermögen zamkommen san.

Hier san G‘schichten erzählt, Freundschaften g’schlossn, Erinnerungen g'schaffen worn. Es wurd grauft und dann gheirat aba a gliebt. Und während sich Bayern über Jahrhunderte verändert hat, is genau diese Idee bliebm:

nämlich Menschen an einen Tisch zam zum bringen.

Freili, heid stehen vielerorts auf dem Land die alten Wirtshäuser leer. Manche san längst gschlossn, andere ham bereits a neue Zukunft gfundn. Aber mit den fehlenden Wirtshäusern verschwindet oft a Stück Dorflebm, des über Generationen hinweg selbstverständlich und so wichtig war.

Und doch lebt die Wirtshauskultur weiter. Besonders bei uns in München. 
Hier san die Wirtshäuser nach wie vor voller Leben. 
Vielleicht schaut des heid a bissl anders aus als vor hundert Jahren, weil’s de Zeit so bringt.

Aber im Kern is es no immer des Gleiche: de Menschen kemman zam.

Und genau des macht a Wirtshaus seit Jahrhunderten aus.

Fia mi persönlich bedeutet das WIRTSHAUS mehra, weil i bin üba einige Jahre hinweg praktisch in einem oberbayerischen Wirtshaus groß worn.

Egal wo i ins Wirtshaus eini geh, i riach de Luft, de Gschicht.
Und auf amoi is des Gfui wieder do, des sich im Herzn einstellt: i bin dahoam.

Des WIRTSHAUS war a prägender Teil in meinem Lebm und wird es a weiterhin bleibm.  Rückblickend habe ich dort vui fias Lebm gelernt, das in koam Schulbuch drin stand.

ZUSAMMENHOIT. SCHAFKOPFN. WATTN. SCHNEEMAß.
GOAßNHOIBE. SCHÜTZENFEST. LEBNSGFUI. LIEBE.

Und genau diese Gschichten erzähl i eich ab heid hier.

Bussi
de, N.

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